Michael Glotz-Richter

Statement zu Vortrag 1:
Quo Vadis Mobilität Post-Corona?

Es wird eine Zeit ‚nach Corona‘ geben, die auch im Mobilitätssektor anders sein wird als ‚vor Corona‘.  Individualverkehr – ob zu Fuß, per Rad, mit dem Tretroller oder per Auto – ist zwar infektionstechnisch unproblematischer, aber Kollektivverkehr per Bahn, Bus oder in Bremen per Straßenbahn bleibt unverzichtbarer Bestandteil der Mobilitätswende.
‚Social distancing‘ per Auto stößt ‚nach Corona‘ ebenso an die Grenzen der Flächenverfügbarkeit in Städten wie ‚vor Corona‘. 
Weil der begrenzte Platz in unseren Straßen schlichtweg effizienter genutzt werden muss, bleibt auch Carsharing so ein wichtiges Thema: Hier muss gesehen werden, dass die Buchungsrückgänge bei den zumeist mittelständisch organsierten Anbietern des stationsgebundenen Carsharing existenzgefährdend sind und Kommunen, Bund und Länder gut beraten sind, hier Förderoptionen aufzulegen, bevor es zu spät ist. Diese reichen von Stundung von Gebühren bis zu Zuschüssen für den Erhalt von Stationen oder Haushaltszuschüssen für Neukunden.
Im Sinne einer Mobilitätswende ist nun – wie schon in der „Treibstoffkrise“ von 2008 – zu sehen, dass Fahrradstädte hier robuster / resilienter sind. Wo es sich gut Rad fahren lässt, ist der Umstieg einfacher. Die Pop-up Radspuren in vielen Städten der Welt stellen eigentlich nur das Nachholen bisher unterlassener Investitionen in und mutiger Entscheidungen für den Radverkehr dar. Die mutigen Entscheidungen sind vielleicht sogar das größere Problem – womit wir wieder auch bei der Flächenkonkurrenz in den Städten und der emotionalen Überfrachtung des ‚eigenes Autos‘ sind.
 
Fragen bleiben:
Wieso werden rund 3000 Verkehrstote jährlich in Deutschland hingenommen und selbst Geschwindigkeitslimits - egal ob Tempo 30 in Städten oder 130 auf Autobahnen - nicht ernsthaft angegangen?

 

Lebenslauf

Michael Glotz-Richter ist ausgebildet als Diplom-Ingenieur für Stadt- und Regionalplanung mit einem Schwerpunkt auf Verkehrsplanung an der TU Berlin. Seine berufliche Laufbahn führte ihn nach Hamburg, Bonn, Berlin, Köln und seit 1990 Bremen, wo er schon seit 1996 als Referent für nachhaltige Mobilität bei der für Umwelt und Mobilität zuständigen Senatsbehörde tätig ist.

Michael Glotz-Richter hat zahlreiche weit über Bremen hinaus wahrgenommene Pilotprojekte initiiert und zum Teil in europäischen Zusammenhängen auch geleitet. Besondere Highlights sind die Einführung der mobil.punkte (2003), generell die Förderung und Integration des Carsharing oder das Fahrradmodellquartier in der Alten Neustadt als der ersten Fahrradzone Deutschlands. Sein Arbeitsfeld umfasst aber auch alternative Antriebe oder autonomes Fahren.

Links

verkehr.bremen.de
bremen.de/mobilitaet-und-verkehr
sunrise-bremen.de
radquartier-bremen.de

 

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